Kein Denkmal – aber Anlass zum „Denk mal“
Was geschah zum Ende des 2. Weltkriegs, also vor über 70 Jahren, hier?
Am 17. April 1945 wurde durch starke Verbände der 52. Roten Armee aus Richtung Kodersdorf / Mückenhain mit Panzer- und mechanisiertem Korps,
Infanterie - mit Stalin-Orgeln - sowie Schützen
Ullersdorf / Jänkendorf beschossen und eingenommen.
Der Einwohner Paul Herrmann und Paul Hilsberg berichteten, das am
17. April 1945 die Rote Armee aus Richtung Wald und Feld am „Nostitz-Hügel“
(östlich von hier) den Ort Ullersdorf beschoss.
Die Funker der Wehrmacht hatten hier - hinter der Panzersperre
(am schmiedeeisernen Park-Eingangstor zwischen den Granitsäulen) - auf diesem Grundstück in der 1990 wieder angepflanzten Fichten-Reihe und der Buchen-Allee in Richtung Schloss, Stellung bezogen.
Deshalb gingen der 1. Einschuss in unser Haus, der 2. in den hinteren Bereich
der Buchenallee und traf dann mit dem 3. Schuss die Funker-Batterie.
Wie der Einwohner Günter Thomas 2005 berichtete, der als 10-Jähriger den Angriff erlebte, waren die Erschütterungen so stark, das die geschlossenen Türen
im Hause aufsprangen!
Im heutigen Obstgarten vom nord-östlichen Nachbarn Mommert lag nach dem Angriff ein ausgebranntes deutsches Sturmgeschütz und tote Deutsche, daneben auf dem Gelände/Flugplatz-Gebäude ein zerschossener T 34 und tote sowjetische Soldaten.
In einem dicken Eichen-Stumpf auf unserem Grundstück waren noch 1966 so viele MG-Einschüsse, dass beim Verbrennen des Holzes das Blei herauslief.
Das Balkenstück und die Geschoss-Teile sind aus diesem Haus bzw. von diesem Grundstück, die Granat-Hülsen aus unmittelbarer Nähe.
Die beiden Kartuschen mit noch funktionsfähigem Zünder wurden 2014 von Traktoristen beim Bearbeiten der Ackerfläche aufgewühlt, beschädigt und geborgen (hier jetzt nicht mehr explosibel).
Die Einschüsse in den im Hause verbliebenen Balken bleiben zur Erinnerung
und Mahnung, damit unsere Enkel über Ursache und Wirkung von Kriegen nachdenken und sich nicht von unbelehrbaren machtgierigen Personen für Kriege missbrauchen lassen !!
Vor 70 Jahren kam der Krieg in sein Ursprungsland, am 17. April 1945 war der erste Angriff der Roten Armee auf Jänkendorf / Ullersdorf.
Mehrfach wechselte hier die Front und zerstörte auch hier Leben und materielle Güter.
Wenn wir auf dem Soldatenfriedhof in Ullersdorf die Gräber der damals 17-, 18-, 20- ..... jährigen jungen Männer sehen und uns vor Augen führen, was hier passierte, hören wir praktisch die vor Schmerzen nach Hilfe und der Mutter schreienden zerfetzten Leiber.
Wenn wir nun aber sehen, wie wieder massiv aufgerüstet und das Land, dass damals die Hauptlast des Krieges zu tragen hatte, militärisch von der NATO eingekesselt wird, obwohl bei den Beratungen zur Deutschen Einheit vor 25 Jahren Russland zugesagt wurde, die NATO-Grenzen nicht zu verändern, wird mir Angst.
Aus diesem Grunde haben wir die Vitrine mit Kriegsresten und der Denkschrift ausgestattet.
Wir alle gemeinsam haben es in der Hand, diese Hetz- und Rüstungspolitik zu beenden und durch Verstand, Respekt und gegenseitiges Vertrauen wieder die Basis für normalen Handel und Gemeinsamkeiten zu ebnen.
Jürgen Starovsky
08.05.2015